Wir – das sind Anna Sophia Feuerbach und Stephanie Lahusen.

Ich, Anna, bin 31 Jahre, Diplombiologin und ich hatte eine Essstörung.
Auf meinem Weg der Genesung wurde mir klar, worum es in diesem Leben wirklich geht. Mir wurde klar, dass es nicht darum geht, gesellschaftliche Ideale und Konventionen, fremde Erwartungen und Vorstellungen zu erfüllen, dass es nicht darum geht sich perfekt in ein System einzufügen. Es geht in diesem, meinem Leben vielmehr um mich. Es geht um meine Gefühle, meine Stärken, meine Schwächen, meine Werte, meine Wünsche und Träume. Es geht um Freude, Glück, Liebe, Miteinander und Zusammenhalt. Diese Erkenntnisse möchte ich mit anderen Menschen teilen. Gleichzeitig möchte ich aufklären, möchte mit Vorurteilen und Stigmata gegenüber Essgestörten aufräumen und zeigen:

Wir sind alles Menschen.

Aus diesem Grund habe ich vor einiger Zeit begonnen zu bloggen, zu schreiben über mich, meinen Weg aus der Erkrankung, aber vor allem über das Leben.
Unter www.seelenschluckauf.de teile ich seitdem meine Gedanken, Gefühle und Erfahrungen – mit überwältigendem Feedback sowohl von Betroffenen als auch von Menschen ganz ohne Bezug zu einer psychischen Erkrankung. All diese Menschen finden sich in meinen Themen wieder. Das bestärkt mich auf meinem Weg.

Als wäre es Bestimmung, traf ich genau in dieser Zeit des persönlichen Aufbruchs durch das Projekt Klang meines Körpers Stephanie Lahusen.
Im Gespräch wurde schnell klar, dass uns einige zentrale Erfahrungen verbindet; Erfahrungen, die Stephanie Lahusen in ihrer jahrelangen klinischen und ambulanten Tätigkeit als Musiktherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, ich jedoch durch meinen eigenen Leidensweg gemacht habe.
Immer noch begegnet Betroffenen – meist aufgrund mangelnder Aufklärung und Information – Ablehnung, Unverständnis und Stigmatisierung.
Immer noch sehen viele Menschen Essstörungen als Schlankheitstick, Modelkrankheit oder vorübergehende Lebenskrise an, obwohl sie schwere psychosomatische Erkrankungen sind.
Immer noch leiden viele, zu viele im Stillen und Verborgenen – bis es fast schon zu spät ist…
Gleichzeitig verbindet uns eine gemeinsame Herzensbotschaft:
Kreativität ist ein wichtiger Schlüssel für die Prävention und Überwindung von Essstörungen, denn sie spricht Herz und Verstand an. Für meine eigene Genesung spielte die Kreativität, das Malen, Gestalten und Schreiben eine unglaublich wichtige Rolle. Genau wie die Mädels der Ausstellung es uns, mit Stephanie Lahusens therapeutischer Unterstützung, auf eindrucksvolle Art und Weise vorgemacht haben, erlebte ich es auch: Jede Essstörung ist eng verbunden mit dem tiefen Hunger nach Leben, aber auch mit einer großen Sprachlosigkeit. Und gerade dann, gerade dann, wenn die Worte fehlen, sind kreative Medien, das Malen, das Schreiben, die Musik enorm wichtig. Kreativität kann ein geeignetes Sprachrohr sein, ein geeignetes Tool, um mit inneren Konflikten, Ängsten und Nöten umzugehen und um tiefe Wünsche und Sehnsüchte zum Ausdruck zu bringen.

Mit dem ausstellungsbegleitenden Blog unseres Vereins Werkstatt Lebenshunger e.V. wollen wir auch Dir eine kreative Plattform bieten, auf der Du Deine Werke, Deinen kreativen Umgang mit den Themen des Lebens oder der eigenen Erkrankung zeigen kannst. Gleichzeitig wollen wir Mut machen, aufklären, dem Tabuthema eine Stimme geben und Berührungsängste abbauen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Du unsere Botschaft mit Deinen eigenen kreativen Werken unterstützt, denn nur gemeinsam können wir das Bild der Erkrankung in der Öffentlichkeit verändern; nur gemeinsam können wir etwas bewegen!